Prostatakrebs: „Abwarten und beobachten?“

Einer von sechs Männern bekommt im Laufe seines Lebens Prostatakrebs.

Im Gegensatz zur BPH (Benigne Prostatahyperplasie) verursacht Prostatakrebs in der Regel  keine Beschwerden.

Obwohl sie häufig auftreten, sind die meisten Prostatakrebserkrankungen relativ harmlos. Viele Männer leben mit einem nicht entdeckten Prostatakrebs, der keine Beschwerden verursacht und ihre Lebenserwartung nicht verkürzt.

Wenn ein Arzt einen Verdacht auf Prostatakrebs hegt, empfiehlt er in der Regel eine Stanzbiopsie. Fällt diese positiv aus, wird den meisten Männern empfohlen, sich die Prostata operativ entfernen zu lassen (radikale Prostatektomie). Die Notwendigkeit der Operation wird ihnen damit erklärt, dass dies die einzige Methode sei, die mit Sicherheit verhindert, dass sich das Karzinom weiter im Körper ausbreitet.

Prostataentfernung oftmals unnötig

Was oft nicht mitgeteilt wird, ist, dass die Methode zu Recht “radikal” genannt wird. Denn sie ist mit erheblichen „Kollateralschäden“ verbunden: 70 Prozent der Männer sind nach der Operation impotent, 10 bis 50 Prozent inkontinent.

Bei vielen Männern ist die Prostatektomie zudem völlig unnötig. 5 von 30 Männer müssen behandelt werden, damit einer darunter ist, dessen Leben diese Behandlung rettet (abhängig vom Tumorstadium, Alter und der Zeit, die seit der Diagnose vergangen ist). Das Problem besteht darin, dass niemand weiß, welches Karzinom harmlos bleiben wird und welches nicht.

In vielen Fällen wäre es am besten, überhaupt keine Behandlung durchzuführen. Bei älteren Männern mit kleinen, nur leicht aggressiven Karzinomen, ist es oft ausreichend, zu beobachten, wie sich der Krebs entwickelt. Das nennt sich „Active Surveillance“, auf Deutsch „aktive Überwachung“. Dieses Vorgehen ist möglich, weil Prostatakrebs bei älteren Männern häufig nur sehr langsam wächst und keine Metastasen bildet.

Eine Alternative wäre eine schonende Fokaltherapie mit dem Ziel, die erektile Funktion und die Kontinenz zu erhalten. Bei einer solchen Behandlung wird nur der Teil der Prostata zerstört, der vom Tumor befallen ist. Es reicht sogar aus, nur die Indexläsion – den größten Krebsherd – zu zerstören. Denn dieser spielt die wichtigste Rolle für die Prognose des Patienten.

Grundvoraussetzung für die Wahl der passenden Therapie ist eine genaue Einschätzung der Ausbreitung und der Aggressivität des Tumors. Transperineale 3D-Biopsien spielen bei dieser Beurteilung eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Biopsien, die über den Enddarm durchgeführt werden, lassen sich mit ihnen die Aggressivität des Tumors und seine Ausbreitung in der Prostata (Gleason Score) exakt nachweisen. Die Diagnostik wird durch bildgebende Verfahren und, wenn erforderlich, Untersuchungen der Lymphknoten vervollständigt.

Neue Behandlungsverfahren erlauben schonende Therapie

Die Behandlungsoptionen reichen vom Nichtstun (“Watchfull Waiting” – wachsames Abwarten oder “Active Surveillance” – aktive Überwachung) über minimalinvasive fokale Behandlungsverfahren und Antihormontherapien bis hin zu Operation und Strahlentherapie. Welches die beste Behandlung ist, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Staging, Grading, Laborergebnissen, Gesundheitszustand, Lebenserwartung, Sozialleben, Sexualleben, psychologische Faktoren und persönliche Präferenzen spielen in die Entscheidung mit hinein.

Bei all dem sollten zwei Ziele im Vordergrund stehen: Es sollen sich keine Metastasen bilden und es sollen keine Begleitschäden entstehen, denn Impotenz und Inkontinenz sind gewöhnlich irreversibel (nicht umkehrbar). Prostatakrebs entwickelt sich außerdem in der Regel langsam. Der medizinische Fortschritt hingegen schreitet rasend schnell voran. In den kommenden fünf bis zehn Jahren können wir neue Behandlungsverfahren erwarten, die effektiver und wesentlich weniger traumatisch sind. Auch deswegen ist die Idee des “Abwartens und Zusehens” wirklich eine Überlegung wert.

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