Die Elektrochemotherapie

Wie funktioniert Sie und für wen ist Sie geeignet?

Wenn alle anderen Therapieformen versagen –
Elektrochemotherapie (ECT)

cliniporator

Der Befund Tumorrezidiv oder Metastasen ist für Patienten und Angehörige eine schockierende Nachricht. In vielen Fällen sind die Chancen einer Heilung schlecht, da konventionelle Therapiemöglichkeiten an ihre Grenzen stoßen. Auch palliative Behandlungen mit herkömmlichen Methoden sind meist mit erheblichen Nebenwirkungen und Schmerzen verbunden. Mit der Elektrochemotherapie (ECT) eröffnen sich jetzt jedoch neue Möglichkeiten in der Behandlung komplexer und fortgeschrittener Tumorerkrankungen – auf schonende Art und Weise.

Dabei ist die Elektrochemotherapie nicht neu: Mit vielen tausend behandelten Patienten in über 100 medizinischen Einrichtungen weltweit ist ECT ein in bestimmten Bereichen bereits etabliertes Verfahren zur Behandlung von verschiedenen Krebsarten, bei denen gängige konventionelle Verfahren versagen. Dabei ist die ECT minimal invasiv, schmerzfrei und muss in den meisten Fällen nur einmal angewendet werden.

So haben z.B. die klinischen ESOPE Studien gezeigt, dass bei einer einmaligen Anwendung von ECT an Hautmetastasen 74% der behandelten Tumorläsionen komplett, und 11% partiell entfernt wurden. Ferner wurde von keinen wesentlichen Nebenwirkungen nach einer Behandlung mittels ECT berichtet. Nachweise von lokalen Rezidiven waren äußerst selten.

Die Elektrochemotherapie stellt eine neuartige Möglichkeit zur effektiven und schonenden Behandlung von Krebs dar. Auf Grund der geringen Nebenwirkungen kann die ECT auch in Fällen eingesetzt werden, bei denen herkömmliche Verfahren, wie die Chirurgie, Strahlen- oder Chemotherapie, zu gefährlich oder zu wenig effektiv sind. Davon werden insbesondere Patienten mit  fortgeschrittenen Primärtumoren und komplexen Tumorrezidiven profitieren, bei denen umliegende Organe, Gefäße und Nerven geschont werden müssen. Dabei weist die ECT eine deutlich kürzere Behandlungsdauer auf und vermeidet postoperative Schmerzen.

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Wie funktioniert die Elektrochemotherapie (ECT)?

Elektroporation ist ein physikalisches Verfahren, das die Wände von Zellen (Zellmembranen) innerhalb des Behandlungsfeldes durch kurze elektrische Ströme (Strompulse) durchlässig macht. Je nach Anzahl und Stärke der Strompulse werden die Zellmembranen vorübergehend (reversibel) oder andauernd (irreversibel) durchlässig. Bei der Nanoknife®-Behandlung werden im Behandlungsfeld Zellmembranen irreversibel durchlässig gemacht (daher der Begriff irreversible Elektroporation, IRE) und sterben dadurch ab. Dazu sind sehr hohe elektrische Feldstärken notwendig, die die Größe des Behandlungsfeldes begrenzen. Das Behandlungsfeld der IRE ist jedoch von einer breiten Zone umgeben, in der eine reversible Elektroporation stattfindet: Hier öffnen sich die Zellmembranen vorübergehend und schließen sich danach wieder. Die vorübergehende Porenbildung in den Zellmembranen ermöglicht bzw. erleichtert in diesem Bereich die Aufnahme von Arzneimitteln (und anderen großmolekularen Substanzen, z.B. von Genen). Auch Chemotherapeutika, die sonst nur schlecht in Krebszellen eindringen können, werden in diesem Bereich der reversiblen Elektroporation von den Krebszellen aufgenommen.

Das Chemotherapeutikum dringt nur schlecht in normale Zellen ein und schädigt diese daher kaum. Im Behandlungsfeld der reversiblen Elektroporation kann es die durchlässig gemachten Zellwände jedoch leicht durchdringen, so dass eine bis zu 10.000-fach höhere Wirksamkeit erreicht wird und die Zellen absterben. Dadurch wird die Chemotherapie auf das Behandlungsfeld fokussiert, der Tumor maximal geschädigt und der Rest des Körpers geschont.

Abbintro2

Das Konzept der Elektrochemotherapie: (a) Nach der Injektion befindet sich das Chemotherapeutikum außerhalb der Krebszelle (b) Die Zellmembran wird durch die Elektroporation durchlöchert, wodurch das Chemotherapeutikum eindringen kann (c) Membran schließt sich wieder, das Chemotherapeutikum bleibt in der Zelle (d) Dadurch kann es die DNA schädigen, wodurch letztlich die Zelle stirbt.1

Zur Elektrochemotherapie wird ein Chemotherapeutikum intravenös in relativ geringer Dosis verabreicht. Typische Chemotherapienebenwirkungen wie Übelkeit und Haarausfall werden dadurch vermieden. Auch erfolgt die Anwendung nur einmalig. Wiederholungen über längere Zeiträume, wie bei typischen Chemotherapien, sind nicht erforderlich.

Eine Behandlung mit der ECT dauert in den meisten Fällen maximal zwei bis drei Stunden. Sie wird in Vollnarkose durchgeführt. Wundschmerzen treten nicht auf. Nach einem Klinikaufenthalt über Nacht zur Beobachtung können die Patienten bereits am nächsten Tag ohne Beeinträchtigung in den Alltag zurückzukehren.

Für wen ist die Elektrochemotherapie geeignet?

Die ECT ist ein effektives und schonendes Verfahren zur Bekämpfung von Krebsgeschwüren. Sie ist besonders geeignet, wenn der Tumor in der Nähe von empfindlichen anatomischen Strukturen gelegen ist und wenn andere Verfahren, wie Chirurgie oder Strahlentherapie, nicht mehr angewendet werden können. Wie auch bei allen anderen medizinischen Verfahren kann bei diesem neuartigen, für manche Anwendungen noch experimentellen Verfahren, eine Heilung nicht garantiert werden. Trotzdem ist die ECT als individueller Heilungsversuch eine äußerst vielversprechende Therapieform, die neue Behandlungsoptionen eröffnet, insbesondere für komplexe Situationen, die bisher nicht mehr therapierbar waren.

In unserem Institut behandeln wir aktuell folgende Patientengruppen:

  1. Patienten mit Knochenmetastasen: Mehr Informationen zur kurativen und palliativen Behandlung von Knochenmetastasen mittels ECT erhalten Sie hier.
  2. Patienten mit Lymphknotenmetastasen: Lesen Sie hier mehr über die kurative und palliative Behandlung von Lymphknotenmetastasen mittels fECT.
  3. Patienten mit Prostata-Karzinomen und Karzinomrezidiven: IRE mit Elektrochemotherapie (IRECT) der Prostata - Eine schonende Therapieoption für fortgeschrittene Karzinome und komplexe Rezidivtumore.
  4. In bestimmten Fällen Patienten mit Tumoren in anderen Organen: Schreiben Sie uns oder rufen Sie uns an um zu erfahren, ob die ECT zur Behandlung Ihrer Erkrankung geeignet ist.

Ob die Therapie für Sie in Frage kommt, beurteilen unsere leitenden Ärzte nach einer gründlichen Begutachtung Ihres Falles. Dazu benötigen wir Ihre medizinischen Unterlagen, insbesondere alle bildgebenden Untersuchungen (CT, MRT, PET, etc.). Gegebenenfalls sind neue Aufnahmen im Rahmen eines Re-Staging erforderlich.

Nutzen Sie die Chance zu einer unverbindlichen Beratung durch unsere Experten. Für weitere Informationen kontaktieren Sie uns bitte.

Referenzen:

1. Miklavcic D, Sersa G, Brecelj E, et al. Electrochemotherapy : technological advancements for efficient electroporation-based treatment of internal tumors. Med Biol Eng Comput. 2012. doi:10.1007/s11517-012-0991-8.